Sommer 2026

Sommer 2026

Wenn Pläne sich ändern und Hoffnung bleibt

Manchmal merken wir erst im Rückblick, wie sehr unser Leben von ständiger Anpassung geprägt ist. Wir machen Pläne, bereiten etwas vor, freuen uns darauf – und dann kommt alles anders. Vielleicht verstehen wir gerade in solchen Zeiten noch einmal neu, was unser Vereinsname „Lebendige Hoffnung“ bedeutet. Unsere Hoffnung gründet nicht darin, dass wir wissen, was morgen passieren wird oder dass unsere Pläne immer aufgehen. Unsere Hoffnung basiert darauf, dass wir in all dem wissen, dass wir nicht allein sind. Wir dürfen unsere Pläne machen und Verantwortung übernehmen, aber wir wissen auch, dass wir nicht alles in der Hand haben. Immer wieder sind wir herausgefordert, unsere eigenen Vorstellungen loszulassen, Gott zu vertrauen und nach dem nächsten Schritt zu fragen. Lebendige Hoffnung bedeutet für uns deshalb nicht, die schwierige Realität auszublenden. Sie bedeutet, mitten in dieser Realität weiterzugehen, füreinander da zu sein und darauf zu vertrauen, dass Gott uns auch durch unerwartete Situationen begleitet. Manchmal verändert sich der Weg – aber wir müssen ihn nicht allein gehen.

Für diesen Sommer hatten wir uns besonders auf unser Sommercamp gefreut. Nach vielen Jahren Pause wollten wir endlich wieder einige Tage gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen in einem Feriencamp außerhalb von Odesa verbringen – Abstand vom Alltag, Zeit füreinander, Gemeinschaft und viele schöne Erlebnisse. Alles war vorbereitet und die Vorfreude groß. Doch wenige Tage vor Beginn des Camps wurde nur etwa 800 Meter Luftlinie von der vorgesehenen Unterkunft entfernt ein Wohnhaus von einer russischen Rakete getroffen. Plötzlich mussten wir unsere Planung völlig neu überdenken. Ein Ort, den wir kurz zuvor noch als geeignet für unser Camp angesehen hatten, fühlte sich nun ganz anders an. Die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen hatte selbstverständlich Vorrang. Schweren Herzens sagten wir das geplante Sommercamp ab. Natürlich waren alle enttäuscht. Aber wir haben inzwischen gelernt, dass es wenig Sinn macht, sich lange darüber zu ärgern, dass etwas nicht so gekommen ist wie geplant. Viel wichtiger ist die Frage: Was können wir jetzt tun? Und so begannen wir neu zu planen. Aus dem Sommercamp wurde ein Daycamp in unserem Tageszentrum. Rückblickend können wir nur dankbar sagen: Es waren fünf sehr gesegnete Tage. Jeden Morgen begannen wir gemeinsam mit einem Frühstück. Danach blieben wir bis zum späten Nachmittag zusammen. Wir spielten, lachten, redeten, lernten, aßen gemeinsam und hatten Zeit füreinander. Aus dem ursprünglich geplanten Camp außerhalb der Stadt war eine intensive gemeinsame Woche mitten in Odesa geworden. Für uns waren sie eine Erinnerung daran, wie wichtig unser Tageszentrum ist: nicht nur als Ort für einzelne Angebote, sondern als Ort, an dem Beziehungen wachsen und Gemeinschaft entsteht.

Wir sind dankbar, dass wir unseren Kids viele schöne Momente über die drei Monate Sommerferien hinweg bereiten durften. Danke, dass eure Spenden und Gebete dabei helfen!

Wenn Menschen plötzlich evakuiert werden müssen

Auch bei unseren Freunden im Osten der Ukraine haben wir in diesem Sommer erlebt, wie schnell sich Lebensumstände verändern können. Seit vielen Jahren verbindet uns eine enge Freundschaft mit einer christlichen Organisation in der Region Kramatorsk. Wir unterstützten ihre Arbeit regelmäßig und stehen mit den Mitarbeitern in engem Kontakt. Schon im vergangenen Jahr mussten sie aufgrund der zunehmenden Gefahr ihren bisherigen Ort Kostyantinivka verlassen und nach Kramatorsk fliehen. In diesem Sommer wurde nun für einige Mitarbeiter erneut eine Evakuierung notwendig. Solche Situationen lassen wenig Zeit für lange Überlegungen. Plötzlich müssen praktische Dinge organisiert werden: Menschen müssen einen sicheren Ort erreichen, Unterkünfte gefunden und die ersten Ausgaben gedeckt werden. Vieles muss schnell und unbürokratisch entschieden werden. Wir sind dankbar, dass wir in solchen Situationen als Verein praktisch und finanziell zur Seite stehen können.

 

Abschied von einem treuen Weggefährten

In diesen drei Sommermonaten gab es aber nicht nur Veränderungen, auf die wir uns organisatorisch einstellen mussten. Es gab auch einen Abschied, der uns persönlich sehr getroffen hat. Am 15. Juni ist Matthias Nagler unerwartet verstorben. Über mehr als zwanzig Jahre war er ein treuer Weggefährte, Mitarbeiter unseres deutschen Vereins und vor allem ein Freund. Er hat unsere Arbeit begleitet, Anteil genommen, mitgedacht, geholfen und uns immer wieder ermutigt. Wenn wir auf diese vielen gemeinsamen Jahre zurückblicken, denken wir an unzählige Besuche, Gespräche und gemeinsame Erfahrungen. Matthias war ein Mensch, der nicht einfach nur „mitgearbeitet“ hat. Er hat unsere Arbeit und unser Leben mitgetragen. Sein unerwarteter Tod hat uns tief getroffen und doch überwiegt die Dankbarkeit für die vielen Jahre, die wir miteinander erleben durften.

 

Blick nach vorn

Wenn wir auf die vergangenen drei Monate zurückblicken merken wir, dass die Herausforderungen nicht weniger werden.

Am 1. September hat in der Ukraine das neue Schuljahr begonnen – für viele Kinder eigentlich ein besonderer und freudiger Tag. In Odesa begann dieser erste Schultag jedoch unter Luftalarm und Beschuss. Die Luftangriffe sind über den Sommer häufiger und intensiver geworden und gehören damit noch stärker zu unserem Alltag. Auch andere Folgen der Angriffe erleben wir unmittelbar. In den Supermärkten sehen wir inzwischen immer wieder leere Regale – nicht weil es grundsätzlich zu wenig Lebensmittel gibt, sondern weil Lieferungen aufgrund der Kriegssituation nicht immer rechtzeitig ankommen. Nach schweren Angriffen sind auch längere Strom- und Wasserabschaltungen zu einer normalen Erfahrung geworden.

Deshalb richtet sich unser Blick jetzt besonders auf die kommenden Wochen und Monate und auf die Vorbereitung auf den Winter. Wir möchten rechtzeitig dafür sorgen, dass die Menschen, die wir regelmäßig unterstützen, gut durch die kalte Jahreszeit kommen. Besonders wichtig sind uns dabei die Kinder und Jugendlichen in unserem Tageszentrum. Wenn Strom und Wasser über längere Zeit ausfallen oder Wohnungen nicht ausreichend beheizt werden können, brauchen gerade Familien mit Kindern zusätzliche Unterstützung. Unsere Weihnachtsaktion soll auch in diesem Jahr wieder vielen Menschen das Fest verschönern und zeigen, dass andere Menschen an sie denken. Wir wollen Kindern und Jugendlichen sowie Senioren mit Weihnachtsgeschenken eine Freude machen und Familien mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln unterstützen.

Ab dem 20. September werden alle Informationen zu unserer Weihnachtsaktion auf unserer Webseite www.hope4kids.de zu finden sein. Dort werden auch Flyer zum Download bereitstehen, die Ihr gerne an Freunde, Gemeinden und andere Interessierte weitergeben könnt. Wir wissen nicht, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden. Aber wir können uns vorbereiten, füreinander da sein und dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird. So gehen wir in den Herbst und Winter – mit offenen Augen und Herzen, mit der Bereitschaft, unsere Pläne anzupassen, und mit dem Vertrauen, dass Gott uns auch durch diese Zeit führt.

Danke, dass Ihr diesen Weg mit uns geht und durch Eure Unterstützung ermöglicht, dass Hoffnung und praktische Hilfe auch dort ankommen, wo sie gerade besonders gebraucht werden.

In herzlicher Verbundenheit, Slavik und Nicole mit den Kindern und Mitarbeitern in der Ukraine und Deutschland

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