Rundbrief April 2010

„Mache, dass ich danach trachte zu trösten, statt getröstet zu werden, zu verstehen, statt verstanden zu werden, zu lieben, statt geliebt zu werden. Denn wir können nur empfangen, wenn wir geben.“ – Franziskus von Assisi
Mich bewegt dieses alte Gebet von Franziskus von Assisi in der letzten Zeit sehr. Immer wieder waren wir in den vergangenen vier Monaten herausgefordert zu trösten, zu lieben und Verständnis zu zeigen. Ohne unseren christlichen Glauben als tägliche Kraftquelle wäre das unmöglich.
Unser Heimaturlaub in Deutschland über Weihnachten und Silvester ist in diesem Jahr etwas kürzer ausgefallen, da wir unbedingt zur gemeinsamen Weihnachtsfeier mit den Kindern und Eltern, sowie den Mitarbeitern aus beiden Tageszentren in Odessa sein wollten. So machten wir uns am 5. Januar mit unserem Bus über Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Moldawien auf in unsere zweite Heimat.
Und obwohl wir ca. 38 Stunden brauchten, kamen wir doch relativ frisch und motiviert zu Hause an. Am 9. Januar erlebten wir ein wunderschönes Weihnachtsfest mit ca. 80 Personen. Unser Krippenspiel „Reportage aus Bethlehem“ war sowohl für Schauspieler als auch für die Zuschauer der Höhepunkt. Aber auch die selbstgebastelten Geschenke bereiteten den Eltern und Großeltern große Freude. Bei Kaffee und Plätzchen hatten wir im Anschluss die Gelegenheit mit vielen Eltern ins Gespräch zu kommen. Für uns ist es wichtig, die Eltern soweit die das wollen in die Arbeit mit einzubeziehen, da ein langfristiges Ziel unseres Dienstes auch die Verbesserung der familiären Situation ist.
Umso trauriger machten uns zwei Ereignisse im Februar – der Tod zweier Mütter (37 und 46 Jahre alt) von Kindern, die wir schon viele Jahre lang betreuen. Die Frauen sind an den Folgen ihrer Alkoholsucht gestorben. Über die Jahre haben wir erlebt, dass auch oder vor allem Kinder, die wenig Liebe und Aufmerksamkeit von ihren Eltern erfahren haben, dennoch den Verlust von Vater oder Mutter sehr schmerzvoll durchleben. Es war uns ein großes Vorrecht, die drei Jugendlichen in dieser Zeit trösten und stärken zu dürfen. Zwei von ihnen kommen weiter täglich ins Tageszentrum. Nun sind wir damit beschäftigt, die rechtlichen Angelegenheiten, die sich mit dem Tod der Mütter ergeben haben, zu klären und Verwandte bei Behördengängen zu unterstützen. Nach dem Tod seiner Frau erklärte sich der Vater zweier Jungs bereit, eine Entgiftung in einer psychiatrischen Klinik zu machen. Unser Verein kam für einen Teil der Medikamente auf. Er hat nun den Anfang gemacht und wir hoffen, dass er es schafft, ein neues Leben ohne Alkohol zu beginnen.
In unseren beiden Tageszentren ist eine gute Routine eingekehrt. Man merkt, dass auch für die Kinder im neuen Zentrum der tägliche Aufenthalt bei uns, Teil ihres Alltags geworden ist. Selbst die sehr aufgeweckten kleinen Jungs übernehmen mit Freude kleine Aufgaben (Helfen beim Putzen, Zubereiten des Mittagessens…). Die Geduld und ruhige Art unserer Mitarbeiter hat daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Slavik und ich sind sehr froh ein Team zu haben, auf das wir uns verlassen können und das gelernt hat, selbstständig zu arbeiten. Das macht es auch möglich, dass ich Veranstaltungen im Ausland besuchen kann, zu denen ich immer öfter eingeladen werde. So konnte ich im letzten halben Jahr bei mehreren Veranstaltungen von Interdiac (einer Akademie für Diakonie und soziale Arbeit in Osteuropa mit Sitz in Tschechien) mitarbeiten. Unser ukrainischer Verein ist eine Partnerorganisation dieses christlichen Instituts (www.interdiac.eu).
Am 13. April hatte ich die Freude bei der Geburt von Alina dabei zu sein. Sie ist unser zweites „Lebendige Hoffnung Baby“. Ihre Mutter war als Grundschülerin bei uns, ist aber dann mit ihrer Familie in einen anderen Stadtteil gezogen. Schließlich ist sie auf die schiefe Bahn geraten und hatte einen Freundeskreis, der sehr negativ auf sie eingewirkt hat. Als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr, hat sie uns um Hilfe gebeten und nun pflegen wir sehr intensiven Kontakt. Leider wurde bei Alina ein Herzfehler festgestellt. Wir hoffen und beten, dass sich trotzdem alles gut entwickeln wird. Zurzeit sind sie noch im Kinderkrankenhaus.
Ein weiterer Höhepunkt, der vergangenen Wochen war die Eröffnung unseres neuen Spielplatzes auf dem Gelände des ersten Tageszentrums. Da die Spielgeräte zum größten Teil von der Deutschen Botschaft finanziert wurden, war bei der Eröffnungsfeier am 17.4. sogar der deutsche Botschafter Herr Dr. Heimsoeth mit seiner Frau bei uns zu Besuch. Auch der Bürgermeister unseres Stadtteiles und andere Vertreter der Stadt, sowie Freunde und Unterstützer aus Odessa waren anwesend. Auf unserer neuen Internetseite www.hope4kids.com.ua sind noch weitere Bilder von diesem Fest zu sehen. Auch viele andere Informationen und Berichte kann man dort finden.
Wenn wir auf die vergangenen 10 Jahre zurückschauen, erfüllt uns Staunen und Dankbarkeit gegenüber Gott und den vielen Helfern, Freunden und Unterstützern, die unseren Dienst haben wachsen lassen.
Momentan bereiten wir uns auf die Sommerferien vor. Wir planen im Juli ein Ferienlager für die Kinder, die nicht mit nach Deutschland reisen werden (vor allem Jüngere und Kinder, deren Eltern keine gültigen ukrainischen Dokumente haben). Die Kinderwoche wird im alten Tageszentrum mit Übernachtung und hoffentlich viel Spaß und Erholung stattfinden. Im August werden wir dann wieder mit einer Gruppe von 25 Kindern unsere traditionelle Deutschlandreise antreten. In diesem Jahr können wir auch schon 4 Mädchen aus dem neuen Zentrum und einige neue Kinder aus dem alten mitnehmen, die natürlich besonders aufgeregt und gespannt sind. Wir freuen uns über jeden, der diese Vorhaben mit unterstützen kann.
Für heute waren das die wichtigsten Nachrichten aus Odessa. Wir bedanken uns auch im Namen unserer Mitarbeiter, Kinder und Jugendlichen und Familien für die Treue und Unterstützung und wünschen Gottes Schutz und Segen.
Slavik, Nicole, Rebekka und Sarah Borisuk aus Odessa
Kontakt:
Nicole und Slavik Borisuk, borisuk@web.de, borisuks@ukr.net, Tel.: 0038-067-4851620
Bankverbindung:
Lebendige Hoffnung e.V., Sparkasse Erzgebirge BLZ 87054000, Kt.NR.: 3442001004