Osterrundbrief 2015

„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ (Dietrich Bonhoeffer)
In diesen Gedanken Bonhoeffers zu Ostern finde ich mich und unseren Dienst hier in der Ukraine wieder. Ohne die „Lebendige Hoffnung“, die Ostern in mein Leben bringt, wäre es unmöglich, über so viele Jahre und besonders in den letzten Monaten mit Freude und Zuversicht unsere Arbeit zu tun. Gott sei Dank für Ostern!
In unserem aktuellen Rundbrief möchten wir Euch über den Alltag und die besonderen Ereignisse der vergangenen drei Monate in unseren Tageszentren informieren und „Danke“ sagen für Eure vielfältige Unterstützung.
Den Jahreswechsel haben wir in diesem Jahr zusammen mit 60 Jugendlichen in Uzhgorod gefeiert. Wir hatten eine sehr gesegnete Zeit und haben die Gemeinschaft sehr genossen. Junge Menschen beim Erwachsenwerden zu begleiten ist eine tolle Aufgabe. Es macht uns dankbar, dass wir nun schon so viele gute Biografien mitschreiben dürfen. Eine junge Frau, die inzwischen bei uns mitarbeitet, macht zum Beispiel in diesem Sommer ihren Masterabschluss in Psychologie, viele lernen fleißig Englisch und engagieren sich ehrenamtlich.
Sie sind uns eine große Hilfe bei den täglich anfallenden Aufgaben in den drei Tageszentren, so auch bei der Vorbereitung und Durchführung der
Weihnachtsfeiern, die hier traditionell im Januar stattfinden. Wir konnten in diesem Jahr nicht nur wieder den Eltern und Verwandten mit einem klasse Weihnachtsprogramm eine Freude machen, sondern auch den Bewohnern des benachbarten Altersheims und zum ersten Mal auch Kindern, die durch den Krieg im Osten der Ukraine ihre Heimat verlassen mussten und nun in Odessa und Umgebung als Flüchtlinge leben. In den letzten Monaten bitten uns mehr und mehr Familien um materielle Unterstützung in Form von Lebensmitteln und inzwischen kaufen wir regelmäßig zusätzlich für sieben Familien ein. Die wirtschaftliche Situation im Land hat sich in den Wintermonaten weiter verschlechtert und viele kommen ohne zusätzliche Hilfe nicht aus. Wir sind dankbar, dass wir wenigsten einige Menschen in dieser schwierigen Zeit unterstützen können. Auch die Anfertigung von zwei Brillen für Kinder aus unseren Zentren gehört zu dieser ganz praktischen und notwendigen Arbeit.
Im Februar war der traditionelle Jahrmarkt das absolute Highlight für unsere kleinen Tageszentrumsbesucher. Sechs Monate lange hatten sie fleißig Punkte gesammelt, um sie endlich in Fahrräder, Spielsachen, Duschgel, Schulranzen, Kleidung, Fußbälle, Barbies und viele andere Dinge einzutauschen. Viele Sachen stammten aus dem Hilfstransport, der uns im November 2014 aus dem Erzgebirge erreicht hat. An diesem Tag haben wir viele Kinder glücklich machen dürfen.
Am 8. März folgten dann die Frauentagsfeiern in den Zentren und im Altersheim. Dies sind die Höhepunkte im Tageszentrumsalltag. Und doch sind die kleinen Begegnungen, Besuche, Gespräche und gemeinsamen Aktivitäten genauso wertvoll und wichtig. Sie sind es, die uns über die Jahre zu einer großen Familie haben wachsen lassen. Wir sind Euch dankbar für Eure Treue und freuen uns besonders zu Ostern, dass Gott uns mit dieser Arbeit hier in Odessa betraut hat.
Für den Sommer planen wir viele verschiedene Aktivitäten mit unseren Kindern und Jugendlichen – eine Woche Sommercamp am schwarzen Meer für über 100 Teilnehmer, ein Jugendcamp im August und im Juli, Familiensommerfeste und den Einbau einer Küche in Petrovka. Eine spannende Zeit liegt vor uns. Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns in dem einen oder anderen Projekt unterstützen könntet.
Bitte betet weiter für Frieden in der Ukraine. Odessa wird immer wieder von Bombenanschlägen (Gott sei Dank ohne menschliche Opfer) heimgesucht und die politische Lage ist immer noch sehr undurchsichtig. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich irgendwann alles wieder beruhigt. Wir werden weiterhin unser Bestes tun, um unseren Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Bedingungen für eine gute Zukunft zu bieten und es ist schön zu wissen, dass wir damit nicht allein sind.
Wir wünschen Euch ein besinnliches und gesegnetes Osterfest und lassen vor dem Sommer sicher noch einmal etwas von uns hören.
In herzlicher Verbundenheit
Slavik & Nicole mit Rebekka und Sarah
und den Kindern und Mitarbeitern aus Petrovka und Odessa